Drei Fragen an Jürgen Maier

Der langjährige Leiter der Projektstelle Forum Umwelt & Entwicklung schaut im Jubiläumsjahr 2025 auf fast drei Jahrzehnte Umweltpolitik zurück.
Was waren aus Ihrer Sicht die größten Erfolge des DNR für den Natur-, Tier- und Umweltschutz?
Die größten Erfolge des DNR sind keine Paukenschläge oder einzelne Ereignisse. Dachverbände wie der DNR und Netzwerke wie das Forum Umwelt & Entwicklung wirken meist im Hintergrund, denn so wollen es die Mitgliedsorganisationen haben. Kontinuierliche Vernetzung und Koordination sind kein spektakuläres Ereignis, aber bereiten den Boden dafür, dass sich die politische Landschaft ändert.
Was verbindet Sie mit dem DNR und was waren Ihre kuriosesten Erlebnisse im DNR?
Mit dem DNR verbindet mich eine nunmehr 29-jährige Leitung der Projektstelle Umwelt & Entwicklung – damit bin ich der Dienstälteste in der Geschäftsstelle und der einzige, der noch die Bonner Zeiten miterlebt hat. Kuriose Erlebnisse gab es in dieser Zeit jede Menge, wie etwa 1997 mein Vorschlag, dass nicht nur das Forum U&E sich einen Internetauftritt zulegen sollte, sondern auch der DNR und die Antwort lautete »das brauchen wir nicht«. Bei meiner ersten DNR-Mitgliederversammlung verkündete der Tagungsleiter: »Als Vizepräsident ist Glenn Miller gewählt« [gemeint war Leif Miller]. Als das Forum nach dem Amtsantritt der rot-grünen Regierung 1998 weiterhin regierungskritische Pressemitteilungen herausgab, fragte mich der neue Umweltminister erbost, »bist du für mich oder gegen mich?«…
Was wünschen Sie dem DNR für die nächsten 75 Jahre?
Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung wählen weder Grüne noch SPD und wollen nicht „dekarbonisiert“ und erst recht nicht „transformiert“ werden. Sie stehen den Umweltverbänden zunehmend distanziert gegenüber. Was erwartet diese große und weiter wachsende Bevölkerungsmehrheit vom DNR und seinen Mitgliedern, und was erwartet der DNR von ihnen?
Ich wünsche dem DNR, sich mit dieser überlebenswichtigen Frage ernsthaft und produktiv auseinanderzusetzen. Auch Umweltpolitik braucht gesellschaftliche und nicht nur parlamentarische Mehrheiten.

Über Jürgen Maier
Jürgen Maier ist seit Oktober 1996 Leiter der 1992 ins Leben gerufenen Projektstelle Umwelt & Entwicklung in Bonn und Berlin (als Nachfolger von Peter Mucke). Er ist Mitinitiator zahlreicher Kampagnen, unter anderem TTIP Unfairhandelbar, Meine Landwirtschaft, Netzwerk Gerechter Welthandel, Klima-Allianz. Für das Forum war er langjähriges Mitglied in zahlreichen internationalen Gremien wie Civil 20 Steering Committee, Climate Action Network Europe, Commission on Sustainable Development NGO Committee und in zahlreichen Beiräten diverser Bundesministerien.